Boreout Syndrom

Was tun bei Boreout?

Burnout ist in aller Munde. Aber was, wenn Sie Ihr Job total unterfordert, langweilt oder sich total sinnlos anfühlt? Das sind Wege aus der Boreout-Falle!

Boreout statt Burnout – Unterforderung im Job!

Burnout, das Gefühl im Job überfordert und chronisch gestresst zu sein, ist in aller Munde. Aber was tun, wenn mich mein Job total unterfordert, langweilt? Wenn ich nichts zu tun habe oder sich meine Tätigkeit total sinnlos anfühlt und mich nicht erfüllt? Häufig kommen Klientinnen ins Coaching, die sich sehr antriebslos und niedergeschlagen fühlen, oder über Schlafprobleme und Unzufriedenheit im Job klagen. 

Boreout Syndrom – Wenn Langeweile krank macht.

Das Boreout-Syndrom ist das Gegenteil des Burnout-Syndroms und noch längst nicht überall bekannt. Boreout bezeichnet einen Zustand massiver Unterforderung im Arbeitsleben und ist letztlich ebenso unerträglich wie Burnout. Unterforderung im Job bezieht sich dabei auf das Arbeitspensum als auch auf die Qualität der Aufgaben. Zum Beispiel Routinetätigkeiten, unqualifizierte Aufgaben, Fehlen von Erfolgserlebnissen. Ausgebrannt vom Nichtstun, wenn bei einem Arbeitstag von 8h das Arbeitsvolumen nur für 3 Stunden reicht. Betroffene warten schon am Morgen sehnsüchtig auf den Feierabend, schleppen sich von Tag zu Tag oder von Wochenende zu Wochenende. Oft ist es Kombination aus massiver Unterforderung und Langeweile am Arbeitsplatz, gepaart mit Desinteresse und dem Versuch, so zu tun, als würde man arbeiten. All dies führt zunächst in einen Boreout und am Ende häufig dazu, dass die Person wieder in einem Burnout landet. 

Betroffen sind vor allem jene Menschen, die im Leistungsdenken sozialisiert wurden und deren Selbstwertgefühl massiv darunter leidet, wenn Sie nichts Produktives tun oder leisten können. Das Gefühl nicht gebraucht zu werden, das Fehlen von sozialer Anerkennung und Wertschätzung ist für Betroffene schwer auszuhalten. Auf Dauer macht auch Boreout in jedem Fall krank und kann zu Depressionen führen.

Symptome von Boreout.

Eine permanente Unterforderung im Job kann sich in körperlichen und psychischen Beschwerden zeigen. Die Boreout-Symptome sind denen des Burnout sehr ähnlich, wenngleich auf anderen Gründen basierend (Unterforderung vs. Überforderung). Zu den Boreout Symptomen gehören u.a.

  • Niedergeschlagenheit
  • Antriebsschwäche
  • Schlafstörungen, Albträume
  • Erschöpfungszustände, Müdigkeit
  • Nervosität und Konzentrationsschwäche
  • Anfälligkeit für Infektionen, schwaches Immunsystem
  • Erschöpfungs-Depression
  • reduzierte Lebensfreude, Zukunftsängste
  • Schwindel
  • Kopfschmerzen, Rückenschmerzen
  • Tinnitus
  • Appetitlosigkeit
  • Magenprobleme, Übelkeit

Individuelle Folgen des Boreouts.

Was passiert, wenn ArbeitnehmerInnen engagiert arbeiten, etwas leisten möchten, aber aufgrund der Aufgabenmenge bzw. -qualität nicht können oder dürfen, z.B. bei strategisch eingesetztem Boreout durch gezielte Unterforderung im Rahmen von Mobbing, um eine Kündigung durch die Mitarbeiterin zu provozieren?

  • Aktionismus: Betroffene versuchen Beschäftigungsstrategien zu entwickeln, um nur nicht aufzufallen und geschäftig zu wirken (E-Mails werden zeitlich früh morgens oder spät abends abgeschickt, um Engagement zu zeigen; stundenlanges Durchforsten von Akten, Überstunden…) => Angst entdeckt zu werden, 
  • „Cyberloafing“: Nutzung digitaler Alternativtätigkeiten, um irgendwie die Zeit tot zu schlagen, und so arbeitsam zu wirken z.B. durch private Internetrecherche oder Bearbeitung privater E-Mails, Online-Einkäufe, Chatten während der Arbeitszeit…
  • Ermüdung durch Unterforderung und Nichtgefordert sein => starkes Absinken der Konzentrations- und Leistungsfähigkeit
  • Hohe Frustration durch das Gefühl, Lebenszeit einfach nur abzusitzen
  • Das Gefühl, nicht gebraucht zu werden und auch Stunden einfach nur abzusitzen, führt zur Erschöpfung. Trotz fehlender Arbeit sind Betroffene abends oft hundemüde.
  • Innere Kündigung und Reduzierung des persönlichen Engagements bei gleichzeitiger Angst den Arbeitsplatz zu verlassen oder zu verlieren => innerer Stress
  • Gefühl innerer Zerrissenheit: ich möchte so gerne mehr leisten, mehr Verantwortung, kann aber nicht, weil es der Arbeitsplatz vielleicht inhaltlich nicht her gibt, oder ich nicht mehr machen darf.
  • Sozialer Rückzug: Betroffene sprechen selten über diese Unterforderung => Gefühl von Scham in einer Zeit, in der Stress haben durch viel Arbeit gesellschaftlich häufig mit Leistungsfähigkeit und Erfolg gleichgesetzt wird. Boreout wird vielfach nicht ernst genommen und ist ein viel stärkeres Tabuthema als Burnout.
  • Sinken des Zutrauens in die eigenen Fähigkeiten und Stärken => Angst sich neu zu bewerben und Gefühl von Ausweglosigkeit.
  • Depressionen als Folge

Wege aus der Boreout-Falle.

Boreout wird häufig erst spät erkannt, da Phasen des „wenig-zu-tun-haben“ anfangs durchaus noch als angenehm empfunden werden. Langfristig führen sie jedoch zu einer großen emotionalen Belastung und Stress. Folgende Erste-Hilfemaßnahmen helfen Ihnen, um im bestehenden Job aus Unterforderung und Boreout rauszukommen:

  1. Reflektieren Sie die Situation

Manche Situationen im Außen lassen sich nicht ändern, was wir jedoch verändern können, ist unsere Sicht auf die Dinge und innere Bewertung dessen, was ich gerade erlebe. Folgende Fragen helfen Ihnen die eigene Betrachtungsweise zu prüfen:

  • Was kann ich tun, um die Situation für mich erträglicher, angenehmer zu gestalten?
  • Was brauche ich, um die aktuelle Situation besser zu meistern?
  • Hat die aktuelle Situation etwas, dass ich als positiv erlebe?
  • Was kann ich aus der aktuellen Situation lernen?

Manchmal führen diese Fragen schon zu einer Änderung der eigenen Betrachtungsweise und bringen etwas Erleichterung. Wenn Sie sich mit der aktuellen beruflichen Situation jedoch weiterhin nicht arrangieren können, prüfen Sie, ob Sie schon alle Möglichkeiten der Veränderung ausgeschöpft haben. Fragen Sie sich:

  • Was möchte ich genau an der Situation verändern?
  • Was stört mich am meisten?
  • Wodurch fühle ich mich besonders unterfordert?
  • Welche Aufgaben oder äußeren Rahmenbedingungen müssten sich ändern, damit ich mich wohler fühlen würde?
  • Was kann ich selbst beeinflussen?
  • Wie genau könnte das aussehen?
  • Wie kann ich das Ziel erreichen?
  • Wer oder was könnte mich dabei unterstützen?
  1. Das Gespräch suchen

Nachdem Sie die Arbeitssituation für sich beleuchtet haben, kann ein klärendes Gespräch mit Ihrem Arbeitgeber oder dem Betriebsrat helfen. Teilen Sie mit, dass Sie die Arbeit zu wenig fordert oder Sie zu wenig zu tun haben. Suchen Sie gemeinsam nach Lösungen. Gibt es Projekte, in die Sie einsteigen könnten? Vielleicht gibt es KollegInnen, die froh sind, Aufgaben an Sie abzugeben?

  1. Tagesprotokoll

Nicht selten bewerben sich hochqualifizierte Mitarbeiterinnen auf interessant ausgeschriebene Jobs mit spannenden Aufgaben. In der Berufs-Praxis erfüllen die realen Aufgaben die an die neue Stelle gestellten Erwartungen nicht oder nur teilweise. Der Frust ist vorprogrammiert.

Sprechen Sie möglichst zeitnah mit Ihrer/Ihrem Vorgesetzten. Am besten dokumentieren Sie Ihren Tagesablauf und Ihre Tätigkeit in einer kleinen Übersicht. Diese Selbstreflexion hilft bei einer Bestandsaufnahme, um die Situation und den Stress durch Unterforderung richtig einschätzen und beim Gespräch mit Ihrer Chefin belegen zu können.

  • Womit verbringe ich meinen Arbeitstag?
  • Wieviel Prozent meiner Tätigkeit sind Aufgaben, die zu meiner Position gehören?
  • Wie viel ist eher Scheinarbeit hinter der ich mich verstecke?
  • Was finde ich besonders langweilig?
  • Welche Aufgaben machen mir Spaß?
  1. Re-aktivieren Sie sich!

a) Potentiale erkennen 

Wenn Sie sich chronisch unterfordert fühlen, ist es wichtig, wieder aus dem inneren Dämmerzustand raus zu treten. Betrachten Sie bewusst Ihre persönlichen Stärken, Potenziale und Ziele. Machen Sie sich klar, was Sie alles können und überlegen Sie sich, wo diese Stärken und Kompetenzen gut eingesetzt werden können. Fragen Sie sich:

    • Was kann ich?
    • Was will ich?
    • Wo liegen meine Stärken? Was geht mir leicht von der Hand?
    • Sehe ich mich wirklich auch in fünf Jahren in diesem Job?
    • Was ist der Preis, den ich zahle, wenn ich in dieser Situation verharre?
    • Was würde ich gewinnen, wenn ich mich auf zu neuen Ufern begebe?

 
b) Interne Veränderungen suchen. 

    • Besuch einer firmeninterne Weiterbildung.
    • Beantragen Sie die Versetzung in eine andere Abteilung oder in ein neues Aufgabengebiet mit mehr Verantwortung.
    • Denken Sie evtl. auch über eine Reduktion auf eine Teilzeitstelle nach, um wieder ausgelastet zu sein. Trotz der Gehaltsreduktion erfahren Sie wieder mehr Zufriedenheit, da Sie nun mehr zu tun haben.

c) Energie-Booster! 

Stärken Sie Ihren Energiehaushalt durch ein Hobby, das Ihnen Freude macht (Achtsamkeitstraining, Ausdauersport, Yoga, Autogenes Training, tägliche Waldspaziergänge…).

 

Holen Sie sich Hilfe!

Haben Sie den Verdacht an Boreout zu leiden? Wichtig ist, dass Sie schnellstmöglich handeln. Verlassen Sie Ihre „Komfortzone“ und werden Sie aktiv! Sitzen Sie Ihre Lebenszeit nicht einfach ab! Sie und Ihr Leben sind zu wichtig! Holen Sie sich bitte professionelle Hilfe, wenn Sie merken, dass Sie sich mit dieser Situation allein überfordert fühlen. Im Rahmen einer Therapie oder eines zielfokussierten Job-Coachings finden Sie Unterstützung, wieder zu sich selbst zu finden und neue für Sie passende berufliche Wege einzuschlagen.

Der nachhaltigste Weg gegen einen Boreout ist ein Jobwechsel. Ziehen Sie daher auch eine Kündigung in Betracht. Kein Job der Welt ist es wert, Ihre Gesundheit zu ruinieren. Wenn Sie also merken, dass Sie sich mit der aktuellen Situation weder arrangieren können oder interne Veränderungsversuche gescheitert sind, sollten Sie sich beruflich neu orientieren.

Auf keinen Fall sollten Sie die unbefriedigende Situation hinnehmen. Suchen Sie professionelle Hilfe! Nehmen die Erschöpfung- und Stress-Symptome oder Depressionen zu, sprechen Sie bitte mit Ihrem Hausarzt und wenden sich an einen Psychotherapeuten oder einen Burnout-Coach.

Presse: „Langeweile ist mit Scham behaftet – Diese Strategie hilft gegen den Boreout“ – hier finden Sie einen Artikel in der WELT, in dem ich zum Thema Boreout interviewt wurde (31.12.2020).

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.